hotelkit Gründer - Marius Donhauser

Vier Gründungsversuche von Marius Donhauser sind gescheitert. Der fünfte entstand in Zimmer 404 des eigenen Familienhotels in Salzburg und wird heute von rund 200.000 Hotelmitarbeitern in fast 90 Ländern benutzt - ohne dass je ein Investor beteiligt gewesen wäre.

Vier Fehlversuche vor dem Treffer

Bevor hotelkit funktionierte, scheiterte Marius Donhauser mit vier eigenen Startup-Anläufen. Das ist eine Zahl, die in Gründerporträts selten steht, weil sie sich schlecht erzählt. Sie erklärt aber, warum der fünfte Versuch anders angelegt war: Er löste kein hypothetisches Problem eines fremden Marktes, sondern ein konkretes Problem im eigenen Betrieb.

Die gescheiterten Projekte hatten ein gemeinsames Muster - andere waren schneller. Darunter war eine Schülerplattform nach Facebook-Vorbild, der SchülerVZ und StudiVZ zuvorkamen. Wer in einem Markt antritt, in dem der Gewinner über Netzwerkeffekte entschieden wird, hat als Zweiter kaum eine Chance.

Der Antrieb blieb trotzdem derselbe. Donhauser, der in Innsbruck Betriebswirtschaft studierte, formuliert ihn schlicht: „Ich wollte immer selbstständig sein. Das war mein oberstes Ziel.“ Die Begeisterung für die Hotellerie übernahm er vom eigenen Vater.

Der Hotelier, der ein Softwareproblem hatte

Donhauser hatte den Familienbetrieb übernommen, das Hotel Der Salzburger Hof. Wer einen Hotelbetrieb führt, kennt die Reibungsverluste: Übergaben zwischen Schichten, Reparaturmeldungen, die zwischen Rezeption und Haustechnik verloren gehen, Sonderwünsche von Gästen, die niemand weiterträgt.

Seine Diagnose fiel entsprechend nüchtern aus: „Lange Checklisten auf Papier und Anweisungen zwischen Tür und Angel verursachten Fehler und viele Kosten.“ Aus dieser Beobachtung entstand eine interne Software, die zunächst nur ein Ziel hatte - den eigenen Betrieb besser zu organisieren.

Diese Ausgangslage ist der wesentliche Unterschied zu den vier gescheiterten Versuchen. Der erste Kunde war der Gründer selbst, das Feedback kam täglich, und ein Produkt, das im eigenen Haus nicht funktioniert, fällt sofort auf.

Zimmer 404

Im Frühjahr 2012 wurde daraus ein eigenes Unternehmen. Als Büro diente ein Hotelzimmer des Familienbetriebs, und zwar Zimmer 404 - eine Anspielung auf die bekannteste Fehlermeldung des Internets, die man als Startup-Adresse entweder mutig oder selbstironisch finden kann. Donhauser entwickelte die Software gemeinsam mit drei Entwicklern.

Dass ein übernommener Familienbetrieb zur Keimzelle eines Softwareunternehmens wird, ist selten. Üblicherweise läuft es andersherum: Software wird für eine Branche gebaut, die man von außen analysiert hat.

Noch im selben Jahr zog das Unternehmen ins Techno-Z Salzburg, den Technologiepark der Stadt. In der Anfangsphase waren es zehn Beschäftigte und rund 200 Kunden in acht Ländern - und schon damals nutzten neben Hotels auch Fitnessstudios und Arztpraxen die Software, ein früher Hinweis darauf, wohin sich das Produkt später entwickeln würde.

Was hotelkit tatsächlich löst

Die Zielgruppe sind Beschäftigte ohne festen Arbeitsplatz - Zimmerreinigung, Küche, Rezeption, Haustechnik. Für sie sind klassische Bürowerkzeuge nutzlos, weil sie den Tag nicht vor einem Bildschirm verbringen. Genau dieser Teil der Belegschaft ist in vielen Betrieben digital am schlechtesten versorgt.

Die Plattform deckt Teamkommunikation, Housekeeping und Facility Management ab: Aufgaben werden zugeteilt und abgehakt, Reparaturen dokumentiert, Schichtübergaben nachvollziehbar. Inzwischen kam ein KI-Assistent für das Wissensmanagement dazu, der Antworten aus den hinterlegten Abläufen zieht - statt dass die neue Rezeptionistin dreimal nachfragt, wo die Ersatzschlüssel liegen.

Ohne Investor, und das mit Absicht

hotelkit hat nie Wagniskapital aufgenommen. Das ist im Software-Geschäft ungewöhnlich genug, um es zu betonen, und Donhauser begründet es mit Unabhängigkeit: „Damit haben wir uns ein großes und wichtiges Stück Eigenständigkeit bewahrt.“

Der Preis dieser Entscheidung ist langsameres Wachstum in den ersten Jahren, der Ertrag ist Handlungsfreiheit ohne Exit-Druck. Das Unternehmen ist heute profitabel und nach eigener Darstellung nicht auf einen Investor angewiesen. Für die Abwägung zwischen Bootstrapping und Fremdfinanzierung ist hotelkit eines der klareren österreichischen Beispiele für die erste Variante.

2020: als die Kunden über Nacht zusperrten

Es gibt wenige Geschäftsmodelle, die von einem Lockdown so unmittelbar getroffen werden wie Software für Hotels. 2018 und 2019 war hotelkit um jeweils rund 70 Prozent gewachsen, für 2020 war dasselbe geplant und das Team entsprechend aufgestockt worden.

Dann brach die Aktivität auf der Plattform praktisch über Nacht ein. Monatelang kamen kaum Neukunden dazu, und statt Bestellungen kamen täglich Anrufe von Hotels, die Zahlungsaufschub wollten oder gleich kündigten. hotelkit ging in Kurzarbeit.

Donhauser hebt rückblickend hervor, dass die Kurzarbeit nicht nur dem eigenen Unternehmen half, sondern auch den Kunden - weil die Hotels ihre Mitarbeiter nicht entlassen mussten und damit als Kunden erhalten blieben. Für ein Softwareunternehmen ohne Investor im Rücken war das der entscheidende Unterschied: Es gab keinen Kapitalgeber, der ein Defizitjahr einfach ausgeglichen hätte.

Von hotelkit zu medikit und teamkit

Das Problem, das hotelkit löst, ist nicht auf Hotels beschränkt. Überall dort, wo Menschen im Schichtbetrieb ohne Schreibtisch arbeiten, stellt es sich gleich. Aus dieser Einsicht entstanden zwei weitere Produkte.

medikit richtet sich an Krankenhäuser und Pflegeheime und wurde gemeinsam mit dem Zahnarzt Johannes Gebauer entwickelt, der als Mitgründer dieses Bereichs auftritt. teamkit ist die branchenneutrale Variante für alle übrigen Betriebe mit Beschäftigten ohne festen Arbeitsplatz.

Radisson und 200.000 Nutzer

Der Kundenstamm ist von einem einzigen Salzburger Hotel auf über 4.000 Betriebe in fast 90 Ländern gewachsen, rund 200.000 Hotelmitarbeiter arbeiten täglich damit. Größter Kunde ist die Radisson Hotel Group, die die Software in mehr als 350 Häusern einsetzt. Allein im Geschäftsjahr 2025 kamen über 400 Neukunden dazu.

Wirtschaftlich bedeutet das einen Umsatz von zuletzt über zehn Millionen Euro bei zweistelligen jährlichen Zuwachsraten und mehr als 100 Beschäftigten.

Deutschland macht 45 Prozent, die USA sollen folgen

Die geografische Verteilung zeigt, wo das Geschäft tatsächlich stattfindet: Deutschland allein steht für 45 Prozent des Umsatzes, der gesamte DACH-Raum für 70 Prozent. Der Heimatmarkt Österreich ist also deutlich kleiner als das Nachbarland - ein Muster, das für österreichische Software-Anbieter die Regel ist.

Der nächste Schritt zielt über den Atlantik. Donhausers Ansage ist unmissverständlich: „In den nächsten fünf Jahren soll die USA unser zweitstärkster Markt nach der DACH-Region werden.“ Nordamerika gilt als attraktiv, weil der Markt groß ist und stark von Hotelketten geprägt - und Ketten lassen sich mit einer Entscheidung gleich für hunderte Häuser gewinnen. Der erste Mitarbeiter vor Ort soll bis Mitte 2026 eingestellt werden.

Sechs Jahre in Folge ausgezeichnet

Bei den internationalen Hotel Tech Awards wurde hotelkit sechs Jahre hintereinander ausgezeichnet, 2026 mit vier ersten Plätzen gegen 2.600 Mitbewerber. Die Bewertung stützt sich auf über 80.000 verifizierte Rückmeldungen von Hotelbetrieben weltweit.

Für ein Produkt, dessen Nutzer keine IT-Abteilung sind, sondern Hausdamen und Rezeptionistinnen, ist das die aussagekräftigere Auszeichnung: Sie kommt von den Leuten, die täglich damit arbeiten müssen. Die Herkunft aus einem echten Hotelbetrieb ist dabei vermutlich kein Zufall.

Häufige Fragen zu hotelkit und Marius Donhauser

Wer hat hotelkit gegründet?

Marius Donhauser, Hotelier aus Salzburg, im Frühjahr 2012. Er hatte zuvor den Familienbetrieb Hotel Der Salzburger Hof übernommen und die Software ursprünglich für den eigenen Betrieb entwickelt. Für den Bereich medikit trat später der Zahnarzt Johannes Gebauer als Mitgründer dazu.

Warum heißt das erste Büro Zimmer 404?

Weil es buchstäblich das Hotelzimmer mit der Nummer 404 im Familienbetrieb war - zugleich eine Anspielung auf die Fehlermeldung „404 not found“.

Hat hotelkit Investoren?

Nein. Das Unternehmen wurde ohne Wagniskapital aufgebaut und ist profitabel. Donhauser begründet das mit der bewahrten Eigenständigkeit.

Wie viele Hotels nutzen hotelkit?

Über 4.000 Betriebe in fast 90 Ländern mit rund 200.000 Nutzern. Größter Kunde ist die Radisson Hotel Group mit mehr als 350 Häusern.

Was sind medikit und teamkit?

Zwei Ableger derselben Idee: medikit für Krankenhäuser und Pflegeheime, teamkit branchenneutral für alle Betriebe mit Beschäftigten ohne festen Arbeitsplatz.

Wie groß ist hotelkit wirtschaftlich?

Zuletzt über zehn Millionen Euro Umsatz bei zweistelligen jährlichen Zuwächsen und mehr als 100 Beschäftigten. 45 Prozent des Umsatzes kommen aus Deutschland, 70 Prozent aus dem DACH-Raum.

Weitere Gründerporträts