Tyromotion Gründer - Alexander Kollreider und David Ram

2005 suchte ein Grazer Reha-Arzt jemanden, der ihm einen Roboter für die Fingertherapie baut. Der Assistent von der TU Graz, der zusagte, verkauft heute mit seinem Unternehmen über 3.700 Therapiegeräte an mehr als 1.000 Kliniken weltweit - bei einer Exportquote von 97 Prozent.

Der Arzt, der einen Fingerroboter suchte

Alexander Kollreider stammt aus Kartitsch in Osttirol und arbeitete als Assistent am Institut für Maschinenelemente der TU Graz. Dort lernte er Dr. Peter Grieshofer kennen, den ärztlichen Leiter der Rehabilitationsklinik Judendorf-Straßengel.

Grieshofer hatte ein konkretes Problem aus der Praxis. In der Neurorehabilitation - etwa nach einem Schlaganfall - muss eine gelähmte Hand über Wochen und Monate hinweg tausendfach bewegt werden, damit sich Bewegungsmuster neu bilden. Diese Arbeit leisten Therapeutinnen und Therapeuten von Hand, und sie ist in der nötigen Menge kaum leistbar. Er suchte jemanden, der einen Roboter baut, der das übernimmt.

Das ist der günstigste denkbare Ausgangspunkt für eine Gründung: ein zahlungsbereiter Fachmann, der das Problem kennt, benennt und die Lösung abnehmen will.

Der zweite Diplomand

Für die Umsetzung holte Kollreider einen Diplomanden dazu - David Ram, seinen zweiten. Gemeinsam entwickelten sie 2006 den ersten Prototypen. 2007 gründeten die beiden Tyromotion, angesiedelt im Science Park Graz, dem Gründerzentrum der Grazer Universitäten.

Aus dem Fingerroboter wurde das erste Produkt: Amadeo, benannt nach Mozart, für die Therapie von Fingern und Hand.

Amadeo, Diego und die anderen

Das Sortiment wuchs entlang des Körpers. Zum Amadeo kamen Pablo als Sensorsystem für den Arm, Diego als Seilroboter - benannt nach Maradona - sowie Tymo und schließlich Omego für Beine und Gangtherapie. Damit deckt Tyromotion heute obere und untere Extremitäten ab.

Der eigentliche Zusammenhalt ist aber Software. Die hauseigene Plattform Tyrosolution verbindet alle Geräte und dokumentiert den Therapieverlauf durchgehend. Für eine Klinik ist das der Unterschied zwischen mehreren Einzelgeräten und einem System: Der Fortschritt eines Patienten lässt sich über Wochen und über verschiedene Geräte hinweg nachweisen - und damit auch gegenüber Kostenträgern belegen.

Entwickelt, programmiert, montiert und vertrieben wird überwiegend im eigenen Haus.

5.000 bis 200.000 Euro pro Gerät

Die Preisspanne der Produkte reicht von rund 5.000 Euro für einfache Sensorsysteme bis zu 200.000 Euro für die großen Roboter. Verkauft wurden bislang über 3.700 Einheiten an mehr als 1.000 Kliniken.

Ein Geschäft in dieser Preisklasse funktioniert anders als Softwarevertrieb. Der Kunde ist eine Klinik mit Budgetzyklen, Zulassungsanforderungen und einem Beschaffungsprozess, der Monate dauert. Dafür sind die Kundenbeziehungen langlebig - wer ein Gerät angeschafft hat, kauft das nächste beim selben Anbieter, weil die Software dieselbe bleibt.

97 Prozent Export

Die Zahl, die Tyromotion am deutlichsten beschreibt, ist die Exportquote: 97 Prozent. Der österreichische Markt ist für ein Unternehmen dieser Art schlicht zu klein, die wichtigsten Absatzmärkte liegen in Russland, Spanien, Deutschland und den USA, verkauft wird in 45 Länder. Niederlassungen bestehen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten.

Wie so ein Netz entsteht, zeigt eine Episode aus der Aufbauphase: Der Kontakt zu den mexikanischen Vertriebspartnern kam auf der Medizinmesse Medica in Düsseldorf zustande. Für exportorientierte Unternehmen aus Nischen ist die richtige Fachmesse oft wirksamer als jede Werbekampagne - dort steht die halbe Weltbranche auf 20.000 Quadratmetern.

Von aws und SFG zu einem deutschen Investor

Finanziert wurde der Start mit heimischen Mitteln: Die Austria Wirtschaftsservice und die Steirische Wirtschaftsförderung SFG stellten die erste Finanzierung und Wagniskapital bereit. Für ein Medizintechnikunternehmen ist diese Frühphase besonders lang, weil zwischen Prototyp und erstem Verkauf die Zulassung liegt.

Später kam die deutsche Beteiligungsgesellschaft SHS als Finanzierungspartner dazu, die auf Medizintechnik spezialisiert ist. Der Weg von der öffentlichen Förderung zum spezialisierten Branchenkapital ist für Hochtechnologie-Gründungen in Österreich der Regelfall.

2022: neuer CEO, Gründer wird Technikchef

Im Oktober 2022 übernahm Siegfried Schabel die Geschäftsführung als CEO und CFO. Alexander Kollreider wechselte in die Rolle des Technikchefs, Wolfram Veitl verantwortet den Vertrieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen die Marke von 100 Beschäftigten erreicht.

Der Wechsel folgt einem Muster, das sich auch bei anderen österreichischen Technologieunternehmen findet: Der technische Gründer bleibt dort, wo seine Stärke liegt, während die kaufmännische Führung an jemanden übergeht, der Skalierung als Handwerk beherrscht. Kollreider blieb damit dem Produkt erhalten - nach eigener Aussage aus gutem Grund: „Unsere Arbeit hat ein cooles Thema. Wir sehen direkte Anwendung, Sinn und Zweck. Das ist selten in der Technik.“

Ein Weltmarktführer aus Graz

Heute gilt Tyromotion als einer der weltweit führenden Anbieter robotergestützter Therapiegeräte in der Neurorehabilitation. 2017 wurde das Unternehmen von der Wirtschaftskammer Steiermark mit dem „Top of Styria“-Preis in der Kategorie Innovation ausgezeichnet. Die Hälfte der Führungspositionen ist mit Frauen besetzt.

Bemerkenswert bleibt, wie wenig spektakulär der Ursprung war: keine Marktanalyse, kein Businessplan-Wettbewerb, sondern ein Arzt mit einem Problem und ein Institutsassistent, der es lösen wollte.

Häufige Fragen zu den Tyromotion-Gründern

Wer hat Tyromotion gegründet?

Alexander Kollreider und David Ram im Jahr 2007 in Graz. Kollreider, gebürtig aus Kartitsch in Osttirol, war Assistent am Institut für Maschinenelemente der TU Graz, Ram sein Diplomand. Der erste Prototyp entstand 2006.

Wie ist die Idee zu Tyromotion entstanden?

Dr. Peter Grieshofer, ärztlicher Leiter der Rehabilitationsklinik Judendorf-Straßengel, suchte 2005 jemanden, der einen Roboter für die Fingertherapie bauen kann. Daraus wurde das erste Produkt Amadeo.

Was stellt Tyromotion her?

Robotergestützte Therapiegeräte für die Neurorehabilitation, etwa nach Schlaganfällen. Zum Sortiment zählen Amadeo für Finger und Hand, Pablo für den Arm, der Seilroboter Diego sowie Tymo und Omego für Beine und Gangtherapie. Die Software Tyrosolution verbindet alle Geräte.

Wie teuer sind die Geräte?

Je nach System zwischen rund 5.000 und 200.000 Euro. Verkauft wurden bislang über 3.700 Geräte an mehr als 1.000 Kliniken in 45 Ländern.

Wie international ist Tyromotion?

Die Exportquote liegt bei 97 Prozent. Die wichtigsten Märkte sind Russland, Spanien, Deutschland und die USA, Niederlassungen bestehen in Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Wer führt Tyromotion heute?

Seit Oktober 2022 ist Siegfried Schabel CEO und CFO. Mitgründer Alexander Kollreider verantwortet als CTO die Technik, Wolfram Veitl den Vertrieb.

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