Blockpit Gründer - Florian Wimmer

2011 bekam Florian Wimmer seine ersten Bitcoin als Belohnung dafür, dass er Rezensionen in Onlineforen schrieb. Ein Bitcoin war damals rund einen Dollar wert. Sechs Jahre später gründete er in Linz ein Unternehmen, das inzwischen über eine Million Steuerreports erstellt hat und zwei europäische Mitbewerber geschluckt hat.

Bitcoin für Forenbeiträge

Der Einstieg in die Kryptowelt war bei Wimmer kein Investment, sondern Nebenverdienst. Er schrieb Bewertungen in Foren und wurde dafür in Bitcoin entlohnt, zu einer Zeit, als die Währung im Bereich von einem Dollar notierte. Später stieg er ins Mining ein und verdiente damit nach eigener Angabe „70, 80 Euro pro Tag“.

Das ist mehr als eine nette Anekdote. Wer die Anfangsjahre der Bitcoin-Geschichte selbst mitgemacht hat, kennt ein Problem, das Außenstehenden erst viel später auffiel: Nach ein paar Jahren Handel, Mining und Wallet-Wechseln weiß niemand mehr, was er wann zu welchem Kurs erworben hat.

Die ICO-Beratung, aus der ein Unternehmen wurde

Beruflich ging Wimmer zunächst einen konventionellen Weg. Er studierte in Hagenberg und arbeitete anschließend bei KPMG. Dort beriet er gemeinsam mit Kollegen einen ICO - ein Initial Coin Offering, die damals gängige Form der Kapitalaufnahme über die Ausgabe eigener Token.

Bei dieser Arbeit stießen sie auf eine Lücke. Die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen war komplex und weitgehend ungelöst, und das Finanzministerium hatte klargestellt, dass auch der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere ein steuerlich relevanter Vorgang ist. Wer also hundertmal zwischen Coins hin- und hergetauscht hatte, hatte hundert steuerlich relevante Geschäfte - und keine Aufzeichnung darüber.

Fünf Gründer aus derselben Beratung

Im September 2017 gründete Wimmer daraus mit ehemaligen KPMG-Kollegen die Blockpit GmbH mit Sitz in Linz. Zum Gründerteam gehörten neben ihm Mathias Maier als Technikchef, Gerd Karlhuber, Patric Stadlbauer und Gert Weidinger. Die Kombination aus Steuerberatung, IT, Finanzwesen und Softwareentwicklung war für das Vorhaben ungewöhnlich passend - man braucht beides, um aus Blockchain-Daten einen Bescheid-tauglichen Report zu machen.

Bemerkenswert am Gründungszeitpunkt ist, was damals noch fehlte: eine klare Rechtslage. 2017 gab es in Österreich kein eigenes Regime für Kryptowährungen. Gewinne waren nur innerhalb einer einjährigen Spekulationsfrist steuerpflichtig, und zwar zum normalen Einkommensteuertarif von 20 bis 55 Prozent.

Was die Software tatsächlich leistet

Blockpit führt Transaktionen aus Börsen und Wallets automatisiert zusammen, ordnet sie zu und erstellt daraus rechtskonforme Steuerreports. Zielgruppen sind private Anlegerinnen und Anleger, Steuerberatungen und institutionelle Kunden.

Die eigentliche Arbeit steckt in der Zuordnung. Ein Wallet-Transfer zwischen zwei eigenen Adressen ist kein Verkauf, ein Tausch schon; Staking-Erträge werden anders behandelt als Kursgewinne; Gebühren mindern den Ertrag. Diese Unterscheidungen automatisiert über hunderte Börsen hinweg zu treffen, ist das Produkt - alles andere ist Datenimport. Für Unternehmen ist das Teil derselben Sorgfaltspflicht, die auch sonst im Steuerjahr gilt.

Die Rechtslage, die alles änderte

Am 1. März 2022 trat in Österreich das Ökosoziale Steuerreformgesetz 2022 Teil I in Kraft und schuf erstmals klare Regeln. Seither gelten Kryptowährungen als Kapitalvermögen und unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent - sowohl laufende Erträge als auch realisierte Wertsteigerungen. Die einjährige Spekulationsfrist entfiel, dafür erhöht der Krypto-Gewinn nicht mehr den Steuersatz auf das übrige Einkommen.

Zusätzlich wurden inländische Kryptobörsen verpflichtet, die Steuer einzubehalten und direkt ans Finanzamt abzuführen. Für Blockpit war das die Bestätigung der Ausgangswette: Aus einer Grauzone wurde eine Pflicht mit fixem Satz - und damit ein Markt, der nicht mehr vom Goodwill der Anleger abhängt.

2020: der Merger mit CryptoTax

2020 übernahm Blockpit das deutsche Startup CryptoTax und damit den größten Mitbewerber in Europa. Wimmer bezeichnete den Schritt als „Merger auf Augenhöhe“, CryptoTax-Chef Klaus Himmer wurde Co-CEO. Die technische Arbeitsteilung beschrieb Wimmer knapp: Frontend Blockpit, Backend CryptoTax.

Im November 2023 folgte die Übernahme des Schweizer Wettbewerbers Accointing für einen nicht genannten Millionenbetrag. Innerhalb von drei Jahren hatte ein Linzer Unternehmen damit die beiden relevanten deutschsprachigen Konkurrenten übernommen.

Wenn die Raiffeisen bei einem Krypto-Startup einsteigt

Finanziert wurde das über mehrere Runden. 2021 sammelte Blockpit eine Series A über zehn Millionen US-Dollar ein, angeführt von MiddleGame Ventures. Später stieg die Raiffeisen Bank International über ihren Wagniskapitalarm Elevator Ventures mit einem Millionenbetrag ein - Summe und Bewertung blieben unveröffentlicht.

Für Elevator Ventures, das rund 100 Millionen Euro verwaltet und in 17 Startups investiert hat, war es das erste Engagement bei einem Krypto-Unternehmen. Dass eine der großen österreichischen Bankengruppen ausgerechnet in Steuersoftware für digitale Assets investiert und nicht in eine Handelsplattform, sagt einiges über die Einschätzung, wo in diesem Markt verlässliche Erträge liegen.

Kein Exit als Ziel

Ungewöhnlich ist Wimmers erklärte Haltung zur Zukunft des Unternehmens. Er beschreibt sich als risikoaffin, aber ergänzt: „Ich bin nicht getrieben davon, den großen Exit zu machen.“ Stattdessen hat er die Idee formuliert, das Unternehmen zu tokenisieren und damit eine neue Form des Börsengangs zu schaffen.

Auch in regulatorischen Debatten meldet er sich zu Wort, mit einer erwartbaren, aber konsistenten Position: Ein übereilter Beschluss würde die Innovationskraft ausbremsen.

Wo Blockpit heute steht

Das Unternehmen hat über eine Million Steuerreports erstellt und mehr als 350.000 Kunden betreut, bei rund 32 Beschäftigten aus fünf Nationen. Die schlanke Belegschaft ist dabei kein Zufall, sondern Ergebnis eines Produkts, das ohne persönliche Beratung auskommt.

2025 wurde Blockpit mit dem EY Scale-up Award ausgezeichnet, Florian Wimmer und Gerd Karlhuber, inzwischen Finanz- und Betriebschef, erhielten den Entrepreneur-Of-The-Year-Titel in der Kategorie Start-ups. Wer die Kursentwicklung der vergangenen Jahre verfolgt hat, kennt die Volatilität dieses Marktes. Das Geschäftsmodell dahinter ist davon bemerkenswert unabhängig: Steuerpflichtig sind Gewinne wie Verluste, dokumentiert werden muss in beiden Fällen.

Häufige Fragen zu den Blockpit-Gründern

Wer hat Blockpit gegründet?

Florian Wimmer gemeinsam mit ehemaligen KPMG-Kollegen im September 2017 in Linz. Zum Gründerteam zählten Mathias Maier als CTO, Gerd Karlhuber, Patric Stadlbauer und Gert Weidinger. Wimmer ist CEO, Karlhuber heute Finanz- und Betriebschef.

Wie kam Florian Wimmer zu Kryptowährungen?

2011 erhielt er Bitcoin als Belohnung für Rezensionen in Onlineforen, damals bei einem Kurs von etwa einem Dollar. Später betrieb er Mining und verdiente damit nach eigener Angabe 70 bis 80 Euro pro Tag.

Was macht Blockpit?

Die Software führt Kryptotransaktionen aus Börsen und Wallets automatisiert zusammen, ordnet sie steuerlich zu und erstellt daraus rechtskonforme Steuerreports - für Privatpersonen, Steuerberatungen und institutionelle Kunden.

Wie werden Kryptowährungen in Österreich besteuert?

Seit 1. März 2022 gelten sie als Kapitalvermögen und unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent, sowohl bei laufenden Erträgen als auch bei realisierten Kursgewinnen. Die frühere einjährige Spekulationsfrist entfiel. Inländische Börsen behalten die Steuer ein und führen sie ab.

Welche Unternehmen hat Blockpit übernommen?

2020 das deutsche CryptoTax, damals der größte europäische Mitbewerber, und im November 2023 den Schweizer Anbieter Accointing.

Wer ist an Blockpit beteiligt?

Unter anderem MiddleGame Ventures, das 2021 eine Series A über zehn Millionen US-Dollar anführte, sowie die Raiffeisen Bank International über ihren Wagniskapitalarm Elevator Ventures. Die Investitionssumme der RBI wurde nicht veröffentlicht.

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