Storebox Gründer - Johannes Braith, Christoph Sandraschitz und Ferdinand Dietrich

Die erste Idee war ein Marktplatz für leerstehende Kellerabteile. Nach einem halben Jahr war klar, dass sie nicht funktioniert. Heute betreibt Storebox über 338 Standorte in sechs Ländern und wurde von der Financial Times zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas gezählt.

Die Idee, die nach sechs Monaten scheiterte

Johannes Braith, Ferdinand Dietrich und Christoph Sandraschitz gründeten 2016 in Wien ein Unternehmen mit einer naheliegenden Prämisse: Es gibt zu wenig Lagerraum in Städten, und gleichzeitig stehen unzählige Kellerabteile und Abstellkammern leer. Also baut man einen Marktplatz dazwischen, ein Airbnb für Lagerflächen.

Das Problem zeigte sich beim ersten Kontakt mit der Realität. Wer Lagerraum mietet, will ihn ebenerdig erreichen, trocken vorfinden und rund um die Uhr betreten können, ohne jemanden anzurufen. Private Kellerräume erfüllten typischerweise keines dieser Kriterien. Nach etwa sechs Monaten stellten die drei ihr Modell um und begannen, eigene Standorte zu bauen.

Dieser Schwenk ist der eigentliche Gründungsmoment. Aus einem Vermittlungsgeschäft ohne eigene Anlagen wurde ein Betreibermodell mit Bauaufwand, Mietverträgen und Technik - also genau das Gegenteil dessen, was Plattform-Gründer üblicherweise anstreben.

Drei Gründer, drei Rollen

Die Aufgabenteilung war von Beginn an klar: Johannes Braith als CEO, Ferdinand Dietrich als Chief Commercial Officer, Christoph Sandraschitz als Chief Technology Officer. Der Sitz des Unternehmens liegt im fünften Wiener Gemeindebezirk.

Braith wurde 2024 als EY Entrepreneur Of The Year in der Kategorie Start-ups ausgezeichnet. Auf die Frage nach seinem Berufswunsch als Kind antwortete er dort mit „Räuberhauptmann“; als wichtigste unternehmerische Eigenschaften nennt er Resilienz und Begeisterungsfähigkeit. Beides passt zu einem Geschäftsmodell, das sich im ersten Jahr komplett drehen musste.

Was eine Storebox technisch ist

Von außen ist eine Storebox meist ein früheres Geschäftslokal im Erdgeschoss. Innen sind es abgeteilte Lagerabteile, die vollständig ohne Personal auskommen. Der Zugang läuft über ein cloudbasiertes Schließsystem per Smartphone, rund um die Uhr, ohne Schlüsselübergabe und ohne Öffnungszeiten.

Dahinter steckt mehr Software, als das Produkt vermuten lässt: maschinelles Lernen für die Standortoptimierung und Sensorik zur Überwachung der Umgebungsbedingungen in den Abteilen. Das Unternehmen hält ein Patent. Es ist damit das erste vollständig digitalisierte Selfstorage-Netz Europas - und genau diese Digitalisierung ist der Grund, warum ein Standort ohne Personal wirtschaftlich betrieben werden kann.

Leerstand als Geschäftsgrundlage

Das Wachstum profitiert von einer Entwicklung, die dem stationären Handel schadet. Je mehr online gekauft wird, desto mehr Erdgeschossflächen in guten Lagen stehen leer. Für Storebox sind das genau die Flächen, die gebraucht werden: zentral, ebenerdig, gut erreichbar.

Bei der Standortwahl gilt hier eine andere Logik als im Handel. Nicht die Frequenz an der Straße entscheidet, sondern die Zahl der Haushalte im Umkreis von wenigen Gehminuten. Ein Lager, das man zu Fuß erreicht, konkurriert nicht mit einem Selfstorage-Zentrum am Stadtrand, sondern mit dem eigenen Abstellraum.

Der Unterschied zum klassischen Selfstorage

Selfstorage gab es in Österreich lange vor Storebox. Marktführer und Pionier ist MyPlace, seit über zwanzig Jahren im Geschäft, mit Abteilen von einem Kubikmeter bis zu 200 Quadratmetern. Das Modell dahinter ist die große Anlage: viele Abteile an einem Standort, meist an einer Ausfallstraße, mit Personal vor Ort.

Storebox dreht diese Rechnung um. Statt einer großen Anlage mit hunderten Abteilen betreibt das Unternehmen viele kleine Standorte ohne Personal, verteilt über Wohngebiete. Der Kunde tauscht Fläche gegen Nähe: weniger Auswahl an Größen, dafür fünf Gehminuten statt zwanzig Autominuten. Genau deshalb funktioniert das Netz auch als Logistikinfrastruktur, während eine Anlage am Stadtrand das nie könnte.

Warum Franchise statt Eigenbetrieb

Für die Expansion setzt Storebox auf ein Franchise-Modell mit inzwischen mehr als 300 Partnern. Der Grund liegt in der Struktur des Geschäfts: Jeder Standort braucht lokales Wissen über Immobilien, Mietniveaus und Nachfrage, aber überall dieselbe Technik und Marke.

Für die Partner ist es ein Immobilien- und Betreibergeschäft mit fertigem System, für Storebox ein Weg, ohne eigenes Kapital pro Standort zu wachsen. Innerhalb eines Jahres vervierfachte sich in der frühen Phase die Zahl der Anlagen von rund 18 auf etwa 70.

Vom Selfstorage zur Stadtlogistik

Der interessantere Teil des Geschäftsmodells ist inzwischen ein anderer. Rund 70 Prozent der Kundschaft sind Privatpersonen, doch der gewerbliche Anteil wuchs nach der Pandemie von zehn auf dreißig Prozent - und wächst am schnellsten. Zu den Kunden zählt IKEA.

Für Händler ist ein dichtes Netz kleiner Lager in Wohngebieten etwas anderes als Lagerraum: Es ist die letzte Meile. Braith beschreibt den Hebel so: „Wir bündeln Warenströme im Hintergrund und erzielen Skaleneffekte, was auch Transportkosten senkt.“ Aus dem Selfstorage-Anbieter wird damit ein urbanes Logistiknetz - die erklärte Zielrichtung des Unternehmens.

Hansi Hansmann, René Benko und 52 Millionen Euro

Finanziert wurde das über mehrere Stufen. Früh dabei waren österreichische Business Angels wie Hansi Hansmann, Rudolf Fried jun. und Markus Ertler sowie die Schweizer Martin Global AG.

Im Herbst 2018 stieg Signa Innovations, das Investmentvehikel von René Benko, mit 20 Prozent in einer Runde im mittleren siebenstelligen Bereich ein. Im Juli 2021 folgte die Series B über 52 Millionen Euro mit Activum SG, Attila Balogh und Wicklow Capital, 2023 kamen weitere 15,5 Millionen Euro dazu. Insgesamt hat das Unternehmen rund 139 Millionen US-Dollar an Wagniskapital aufgenommen.

Warum die Signa-Pleite Storebox nicht traf

Als das Signa-Imperium 2023 zusammenbrach, stellte sich für Storebox eine unangenehme Frage: Größter Einzelgesellschafter war mit 17,4 Prozent die SIGNA Innovations Selection GmbH.

Die Antwort lag in der Konstruktion. Diese Gesellschaft war keine Tochter der insolventen Signa Holding, sondern eine hundertprozentige Tochter der Laura Privatstiftung, einer der Stiftungen, die Benko Jahre zuvor zur Abschirmung von Privatvermögen errichtet hatte. Die Storebox-Anteile blieben damit außerhalb des Insolvenzverfahrens.

Für Gründer ist das ein lehrreicher Nebenschauplatz: Wer Kapital von einem prominenten Investor annimmt, übernimmt auch dessen Risiko in die eigene Gesellschafterliste - und ob dieses Risiko durchschlägt, entscheidet eine Struktur, die man beim Einstieg selten prüft.

Jänner 2024: zehn Kündigungen

Trotz des Wachstums gab es auch bei Storebox eine Korrektur. Ende Jänner 2024 wurden zehn Beschäftigte gekündigt, bei damals rund 90 Personen. Braith bestritt, dass es sich um eine Massenentlassung handle: „Wir haben aus strategischen Überlegungen unsere Organisationsstruktur angepasst.“ Ein Teil der Stellen sollte neu besetzt werden.

Die Rahmendaten sprachen dabei nicht für eine Krise: Der Umsatz war von 2022 auf 2023 um rund 90 Prozent gewachsen, im selben Jahr wurde der 300. Standort eröffnet.

Wo Storebox heute steht

Aktuell betreibt das Unternehmen über 338 Standorte in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden und ist damit Marktführer im DACH-Raum. Geführt wird es von zwei Standorten aus, Wien und Berlin - eine Konsequenz daraus, dass Deutschland der mit Abstand größte Markt ist. Die Financial Times führte Storebox in ihrer Liste der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas für 2025.

Der Betrieb ist nach eigenen Angaben durchgehend klimaneutral, bei der Betreuung der Standorte arbeitet das Unternehmen mit „Jugend am Werk“ zusammen und beschäftigt darüber Menschen mit Behinderung. Was als Vermittlungsplattform für Kellerabteile begann, ist heute ein Immobilien-, Technik- und Logistikgeschäft in einem.

Häufige Fragen zu den Storebox-Gründern

Wer hat Storebox gegründet?

Johannes Braith (CEO), Ferdinand Dietrich (CCO) und Christoph Sandraschitz (CTO) gründeten das Unternehmen 2016 in Wien. Der Sitz liegt im fünften Wiener Gemeindebezirk.

Wie ist die Idee zu Storebox entstanden?

Ursprünglich als Marktplatz für private Kellerräume, eine Art Airbnb für Lagerflächen. Nach rund einem halben Jahr zeigte sich, dass private Keller die Anforderungen nicht erfüllen - sie sind selten ebenerdig, trocken und jederzeit zugänglich. Die Gründer stellten auf eigene Standorte um.

Wie funktioniert eine Storebox?

Es sind personallose Lagerabteile, meist in früheren Geschäftslokalen im Erdgeschoss. Der Zugang läuft rund um die Uhr per Smartphone über ein cloudbasiertes Schließsystem, ergänzt um Sensorik zur Überwachung der Lagerbedingungen.

Wem gehört Storebox?

Größter Einzelgesellschafter ist mit 17,4 Prozent die SIGNA Innovations Selection GmbH. Sie gehört zur Laura Privatstiftung von René Benko und war nicht Teil der insolventen Signa Holding, weshalb die Anteile vom Insolvenzverfahren unberührt blieben.

Wie viel Kapital hat Storebox aufgenommen?

Rund 139 Millionen US-Dollar über fünf Runden. Die größte war die Series B über 52 Millionen Euro im Juli 2021, 2023 kamen weitere 15,5 Millionen Euro dazu.

In welchen Ländern ist Storebox aktiv?

In Österreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden mit über 338 Standorten. Die Expansion läuft über ein Franchise-System mit mehr als 300 Partnern.

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