UpNano Gründer - Bernhard Küenburg, Peter Gruber, Aleksandr Ovsianikov und Denise Hirner

Ein Drucker von UpNano kostet rund 500.000 Euro und fertigt Bauteile, die dünner sind als ein menschliches Haar. Mit demselben Gerät lassen sich lebende Zellen in dreidimensionale Strukturen drucken. Entstanden ist die Technologie an der TU Wien - vermarktet wird sie von einem Team, das sich bewusst einen Geschäftsführer von außen geholt hat.

Vier Gründer, drei aus dem Labor

UpNano wurde im September 2018 als Spin-off der TU Wien gegründet. Die technologische Grundlage stammt aus dem Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie, wo Aleksandr Ovsianikov, Peter Gruber und Denise Hirner über Jahre an hochauflösenden 3D-Drucksystemen gearbeitet hatten. Zusammen brachte das Gründungsteam mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Multiphotonen-Polymerisation mit.

Die Rollen verteilten sich entlang der Kompetenzen: Peter Gruber wurde Technikchef, Denise Hirner übernahm als Betriebschefin den operativen Bereich und brachte ihre Erfahrung mit Materialien und Anwendungen ein, Aleksandr Ovsianikov blieb der wissenschaftliche Pol.

Warum ein CEO von außen

Die vierte Position wurde bewusst extern besetzt: Bernhard Küenburg kam als Geschäftsführer zu den drei Forschenden dazu.

Das ist bei akademischen Ausgründungen eine unterschätzte Entscheidung. Wer aus einem Institut heraus gründet, beherrscht die Technologie besser als jeder Wettbewerber - und hat meist keinerlei Erfahrung darin, Investoren zu gewinnen, Vertriebsstrukturen in mehreren Ländern aufzubauen oder Preise für ein Gerät festzulegen, das es so noch nicht gibt. Ein Team, das diese Lücke von Anfang an schließt statt sie zwei Jahre lang zu ignorieren, spart sich die teuerste Lernkurve. Wo eine externe Besetzung nicht in Frage kommt, leistet ein Beirat zumindest einen Teil davon.

Was 2-Photonen-Polymerisation bedeutet

Das Verfahren hinter den Geräten heißt Zwei-Photonen-Polymerisation, kurz 2PP. Ein Laser härtet ein flüssiges Kunstharz punktgenau aus, aber nur dort, wo zwei Photonen gleichzeitig auf dasselbe Molekül treffen. Weil diese Bedingung nur im Brennpunkt erfüllt ist, lässt sich innerhalb des Materials arbeiten - Schicht für Schicht, in Dimensionen, die klassische 3D-Drucker nicht erreichen.

Die Geräte der NanoOne-Serie erreichen Strukturdetails ab 170 Nanometern und decken Objektgrößen über zwölf Größenordnungen ab. Peter Gruber beschreibt die Leistung anschaulich: „Mit diesem Drucker können wir ein komplex modelliertes Schloss drucken, das nicht größer als 0,2 Millimeter ist“ - mit Strukturen unter einem Tausendstel Millimeter.

Hundertmal schneller

Das Verfahren selbst war nicht neu. Der Engpass war die Geschwindigkeit: Vorhandene Systeme arbeiteten so langsam, dass sie für die Forschung taugten, aber für keine Produktion.

Genau hier setzte UpNano an. Die NanoOne druckt rund hundertmal schneller als die vorherige Gerätegeneration, ohne dabei an Auflösung zu verlieren. Denise Hirner formuliert den Anspruch so: „Als wir UpNano gegründet haben, war unser Ziel, die Leistungsfähigkeit der bestehenden Systeme zu übertreffen und neue Standards zu setzen.“

Das ist ein Muster, das sich in vielen erfolgreichen Innovationen findet: Nicht das Prinzip wird erfunden, sondern der Parameter verbessert, der die Anwendung bisher verhindert hat.

Seit 2021: Drucken mit lebenden Zellen

Der Bereich, der UpNano über die Feinmechanik hinaushebt, ist das Bioprinting. Seit 2021 kombiniert das Unternehmen die NanoOne Bio mit einer eigens entwickelten Biotinte auf Hydrogel-Basis. Damit lassen sich lebende Zellen in komplexe dreidimensionale Strukturen drucken.

Der Anwendungsfall dahinter heißt „Organ on a chip“: miniaturisierte Organmodelle, an denen sich Medikamente testen lassen. Der Vorteil ist doppelt. Dreidimensionale Zellmodelle bilden die Situation im Körper deutlich besser ab als flache Zellkulturen in der Petrischale, was Fehlentwicklungen und damit Forschungskosten reduziert. Und sie ersetzen Tierversuche in einem Teil der Entwicklungskette.

Für ein Unternehmen, das Geräte an Forschungseinrichtungen und Pharmafirmen verkauft, ist das das Argument mit der längsten Wirkung - es adressiert Kosten und Ethik gleichzeitig.

Alles aus Wien

UpNano fertigt vertikal integriert: Hardware, Software, Materialien und Anwendungswissen entstehen am Standort in der Wiener Modecenterstraße. Das Team deckt Optik, Softwareentwicklung, Hardwarekonstruktion, Materialwissenschaft und Drucktechnologie ab.

Diese Tiefe ist bei einem Gerätepreis von rund 500.000 Euro auch nötig. Wer Anlagen in dieser Preisklasse verkauft, verkauft nicht nur Hardware, sondern die Zusicherung, dass ein bestimmtes Bauteil in einer bestimmten Qualität herauskommt - inklusive des passenden Materials und der Prozessparameter.

Boston und die tiefen Taschen

Nachdem sich die Zahl der verkauften Systeme 2021 verdreifacht hatte, folgte der Schritt in die USA. Erika Bechtold übernahm als Vice President das US-Geschäft von Boston aus. Denise Hirner ordnete das ein: Das Büro in Boston sei ein wichtiger Schritt.

Finanziert wird das Wachstum unter anderem von der IGO Industries Group, einer Industriegruppe mit Milliardenumsatz, die auch bei weiteren österreichischen Technologieunternehmen investiert ist. Das ist eine andere Konstellation als klassisches Wagniskapital: Ein Industrieinvestor denkt in längeren Zeiträumen als ein Fonds mit fixer Laufzeit - ein Vorteil bei einem Produkt, dessen Verkaufszyklen im wissenschaftlichen Gerätebau lang sind. Für exportorientierte Unternehmen ist genau dieser Atem oft entscheidender als die Höhe der Runde.

Founder of the Year 2026

Anfang 2026 wurde Denise Hirner beim EY Scale-up Award als erste „Founder of the Year“ ausgezeichnet - eine Kategorie, die in diesem Jahr erstmals vergeben wurde. Jury und Publikum hoben ihre klare technologische Vision, den Aufbau eines international führenden Deep-Tech-Unternehmens und die skalierbare Wachstumsstrategie hervor.

Die Auszeichnung fiel in dieselbe Preisverleihung, bei der fiskaly zum Scale-up des Jahres gekürt wurde. Bewertet wurde aus über 330 Einreichungen von einer 87-köpfigen Fachjury. Zuvor hatte UpNano bereits den Phönix-Preis für Spin-offs der TU Wien erhalten.

Häufige Fragen zu den UpNano-Gründern

Wer hat UpNano gegründet?

Bernhard Küenburg (CEO), Peter Gruber (CTO), Aleksandr Ovsianikov und Denise Hirner (COO) im September 2018 als Spin-off der TU Wien. Gruber, Ovsianikov und Hirner hatten die Technologie zuvor an der TU Wien entwickelt, Küenburg kam als Geschäftsführer von außen dazu.

Was macht UpNano?

Das Unternehmen baut laserbasierte 3D-Drucksysteme der Serie NanoOne, die mit Zwei-Photonen-Polymerisation arbeiten. Sie erreichen Strukturdetails ab 170 Nanometern und decken Objektgrößen über zwölf Größenordnungen ab.

Was ist das Besondere an der Technologie?

Die Geschwindigkeit. Die NanoOne druckt rund hundertmal schneller als die vorherige Gerätegeneration, ohne an Auflösung zu verlieren. Damit wird aus einem Laborverfahren eine Fertigungstechnologie.

Was ist Bioprinting bei UpNano?

Seit 2021 lassen sich mit der NanoOne Bio und einer Biotinte auf Hydrogel-Basis lebende Zellen in dreidimensionale Strukturen drucken. Damit entstehen miniaturisierte Organmodelle für die Medikamentenentwicklung, die Tierversuche teilweise ersetzen.

Was kostet ein UpNano-Drucker?

Rund 500.000 Euro pro System. Hardware, Software und Materialien werden vollständig in Wien entwickelt und gefertigt.

Wofür wurde Denise Hirner ausgezeichnet?

Sie erhielt 2026 beim EY Scale-up Award als Erste den neu geschaffenen Titel „Founder of the Year“ - für ihre technologische Vision, den Aufbau eines international führenden Deep-Tech-Unternehmens und die Wachstumsstrategie.

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