mySugr Gründer - Frank Westermann, Gerald Stangl, Fredrik Debong, Michael Forisch
Am 29. Juni 2017 unterschrieb mySugr den Vertrag mit Roche Diabetes Care. Roche übernahm das 2012 gegründete Wiener Start-up zu 100 Prozent; zum Kaufpreis gibt es nur Schätzungen zwischen 70 und 200 Millionen Euro. Business Angel Hansi Hansmann nannte es den größten Deal im Digital-Health-Bereich bis dahin.
Vier Gründer und eine Diabetes-App
Fredrik Debong, Gerald Stangl, Michael Forisch und Frank Westermann gründeten mySugr 2012 in Wien. Zum Verkaufszeitpunkt nutzten rund eine Million Menschen die App, die es in 52 Ländern und 13 Sprachen gab. Das Team zählte 47 Beschäftigte und sollte binnen zwei Jahren auf 200 wachsen. Im März 2015 hatten Roche Venture Fund, XLHealth und iSeedVentures 4,2 Millionen Euro investiert. Vor dem Verkauf hielten die vier Gründer zusammen etwa 45 Prozent, Hansi Hansmann 15,5 Prozent, iSeed 12 Prozent, die Familie Püspök 4 Prozent und Christoph Sauermann 0,6 Prozent.
Der Verkauf an Roche
Nach Trending Topics vom 30. Juni 2017 unterzeichneten die Parteien den Vertrag am Vortag, Roche Diabetes Care erwarb mySugr über einen Share-Deal. Der Preis blieb vertraulich; Insider nannten weniger als 200 Millionen Euro, vergleichbar mit Runtastic (220 Millionen) und Shpock (rund 200 Millionen), andere Quellen 70 bis 80 Millionen Euro. Marcel Gmünder von Roche Diabetes Care sah in der Partnerschaft einen wesentlichen Teil des neuen offenen digitalen Ökosystems. Frank Westermann, CEO und Mitgründer, erklärte, mySugr werde mit Roches Fachwissen und Netzwerk zum unverzichtbaren Begleiter für ein entspannteres Leben mit Diabetes.
Warum mySugr zu Roche passte
Im Interview mit MedCity News vom 14. Juli 2017 sagte Frank Westermann, er und Fredrik Debong hätten selbst Typ-1-Diabetes; man habe Probleme für Menschen mit Diabetes lösen wollen, „auch unsere eigenen“. Die Firma startete, als das iPhone aufkam, auch das nannte er einen Grund für den Erfolg, ebenso das richtige Produkt „von Patienten für Patienten“. Partnerschaften mit führenden Diabetes-Unternehmen seien von Anfang an Kern der Strategie gewesen, einschließlich der Anbindung von Messgeräten. In Deutschland gab es ein mySugr-Paket mit dem Versicherer VKB für Menschen, die Insulin nehmen: automatisch versandte Teststreifen, das Roche-Messgerät Accu-Chek Guide, mySugr Coach und die Pro-App; es sollte in weitere Länder, auch in die USA, kommen.
Roche übernahm mySugr im Juni 2017 als Teil einer Strategie zur Versorgung von Diabetes-Kunden; J.P. Morgan begleitete den Prozess. Westermann sagte, Roche teile die Vision der Digitalisierung der Diabetesversorgung. mySugr bleibt eigenständige Gesellschaft und hält die Plattform offen für andere Firmen, was er mit dem Erhalt von Kultur und Selbstständigkeit verband. Beide Unternehmen hatten schon vorher zusammengearbeitet, etwa bei Accu-Chek-Messgeräten. Kleine Firmen seien „meist viel schneller und agiler“, die ganze Diabetes-Branche bewege sich in Richtung Offenheit und Zusammenarbeit. Die Zentrale blieb in Wien; Integrationstreffen fanden außerdem in Basel, Barcelona und Indianapolis statt. Frühere Gesellschafter wie Johann Hansmann und Adam Lin von iSeed Ventures begleiteten den Verkauf.
Häufige Fragen zu den mySugr-Gründern
Wer hat mySugr gegründet?
Fredrik Debong, Gerald Stangl, Michael Forisch und Frank Westermann, 2012 in Wien.
Wer hat mySugr gekauft?
Roche Diabetes Care, im Juni 2017, zu 100 Prozent über einen Share-Deal.
Wie viel kostete mySugr?
Der Preis blieb vertraulich. Schätzungen reichen von 70 bis 80 Millionen bis unter 200 Millionen Euro.
Wie viele Nutzer hatte mySugr?
Etwa eine Million, in 52 Ländern und 13 Sprachen.
Warum gründete Frank Westermann mySugr?
Er und Fredrik Debong haben selbst Typ-1-Diabetes und wollten Probleme lösen, „auch unsere eigenen“.
Bleibt mySugr eigenständig?
Ja, als eigene Gesellschaft mit offener Plattform für andere Firmen. Die Zentrale blieb nach dem Verkauf in Wien.
Weitere Gründerporträts
- Runtastic Gründer - Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner, Christian Kaar
- Shpock Gründer - Katharina Klausberger, Armin Strbac
- hotelkit Gründer - Marius Donhauser
- Anyline Gründer - Daniel Albertini, Lukas Kinigadner, Jakob Hofer
- Adverity Gründer - Alexander Igelsböck, Martin Brunthaler, Andreas Glänzer