472 Millionen Euro flossen im ersten Halbjahr 2026 in österreichische Start-ups - ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach Jahren rückläufiger Finanzierungen ist das die deutlichste Erholung, die die heimische Szene seit dem Ende der Nullzinsphase gesehen hat.
Die Finanzierungswende im ersten Halbjahr 2026
Laut dem EY Start-up Investment Barometer wurden im ersten Halbjahr 2026 in Österreich 97 Finanzierungsrunden abgeschlossen - ein neuer Halbjahresrekord, nach 70 Runden im Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Rundengröße stieg von rund 2 auf 6,3 Millionen Euro. Zwei Unternehmen erreichten sogar neunstellige Runden: Das Wiener Getränke-Scale-up Waterdrop und das PropTech-Unternehmen Gropyus holten sich je 100 Millionen Euro. Weitere große Runden gingen an Aviloo (30 Millionen Euro), Enpulsion (22,5 Millionen Euro) und Reps (20,2 Millionen Euro).
Internationales Kapital ersetzt heimische Investoren
Bemerkenswert ist, wer dieses Wachstum finanziert: Rein internationale Investorengruppen steckten mindestens 300 Millionen Euro in österreichische Start-ups - nach nur 21 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ihr Anteil am gesamten Finanzierungsvolumen kletterte von 27 auf 64 Prozent, während rein österreichisch besetzte Runden nur noch 5 Prozent beisteuerten. Wien bleibt mit 360 Millionen Euro und einem Anteil von 76 Prozent am Gesamtvolumen mit Abstand der dominierende Standort, gefolgt von Niederösterreich, das mit 53 Millionen Euro neu auf Platz zwei vorrückte.
Software, Health und E-Commerce vorne
Nach Sektoren gemessen führte Software & Analytics mit 30 Finanzierungsrunden die Statistik an. Health war mit 19 Runden und 56 Millionen Euro einer der dynamischsten Bereiche, während E-Commerce trotz nur 8 Runden mit 122 Millionen Euro das höchste Gesamtvolumen erreichte - getragen vor allem von der Waterdrop-Großrunde. PropTech kam auf 107 Millionen Euro.
Wer gründet in Österreich?
Der Austrian Startup Monitor 2025 zeichnet ein Bild der Szene jenseits der großen Finanzierungsrunden: Seit 2014 wurden in Österreich mehr als 3.600 Start-ups gegründet, die zusammen rund 35.000 Menschen beschäftigen, im Schnitt 11,4 pro Unternehmen. Das durchschnittliche Gründungsalter liegt bei rund 32 Jahren, 77 Prozent gründen im Team. Der Frauenanteil unter den Gründenden liegt bei 21 Prozent - ein Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.
Auffällig ist die technologische Ausrichtung: 69,9 Prozent der Start-ups nennen künstliche Intelligenz als zentrales Innovationsfeld, mit deutlichem Abstand vor Cyber Security (33,6 Prozent), Energiespeicherung (28 Prozent) und der neu erfassten Kategorie Defence Tech (24,1 Prozent). 12 Prozent gelten als Deep-Tech-Unternehmen, 46 Prozent haben die Gewinnzone bereits erreicht, weitere 40 Prozent planen das binnen zwei Jahren. Der Anteil an Start-ups mit ökologischem oder sozialem Wirkungsanspruch ist von 13 Prozent (2014-2016) auf 31 Prozent (2023-2025) gestiegen.
Bei der Finanzierung dominiert nach wie vor Bootstrapping aus eigenen Ersparnissen: 65 Prozent der Gründerinnen und Gründer setzen darauf, gefolgt von öffentlichen Förderungen (55 Prozent, bei Deep-Tech-Start-ups sogar 78 Prozent) und Venture Capital (54 Prozent).
Häufige Fragen zur österreichischen Start-up-Landschaft
Wie viel Kapital floss 2026 in österreichische Start-ups?
Im ersten Halbjahr 2026 waren es 472 Millionen Euro, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, verteilt auf 97 Finanzierungsrunden.
Wer investiert aktuell in österreichische Start-ups?
Zunehmend internationale Investoren: Ihr Anteil am Finanzierungsvolumen stieg von 27 auf 64 Prozent, während rein österreichisch besetzte Runden nur noch 5 Prozent beisteuerten.
Wie viele Start-ups gibt es in Österreich?
Seit 2014 wurden mehr als 3.600 Start-ups gegründet, die zusammen rund 35.000 Menschen beschäftigen.