Anyline Gründer - Daniel Albertini, Lukas Kinigadner, Jakob Hofer, David Dengg

Vier Angestellte einer Wiener App-Agentur wollten Diabetikern das mühsame Abtippen von Blutzuckerwerten ersparen. Aus dieser kleinen Idee wurde eine Texterkennungstechnologie, die heute bei Konzernen wie PepsiCo und beim World Food Programme im Einsatz ist.

Vier Kollegen und ein Diabetes-Problem

Lukas Kinigadner, Daniel Albertini, Jakob Hofer und David Dengg gründeten Anyline 2013 in Wien. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten alle vier gemeinsam bei einer App-Agentur. Der Auslöser war ein sehr konkretes Problem: Diabetes-Patienten sollten ihre Blutzuckerwerte nicht mehr manuell vom Messgerät abtippen müssen, sondern direkt mit dem Smartphone abfotografieren und automatisch erfassen können. Aus dieser Texterkennung am Handydisplay entwickelte sich eine eigenständige Mobile-OCR-Technologie, die weit über das ursprüngliche Diabetes-Anwendungsfeld hinausreichte: Zählerstände, Fahrzeug-Identifikationsnummern, Ausweise oder Reifenprofile lassen sich damit per Kamera auslesen, ohne dass eine Serververbindung nötig ist.

Vom Nischentool zur internationalen Kundenliste

2020 sammelte Anyline in einer Series-A-Runde 12 Millionen US-Dollar ein, im Juli 2021 folgte eine Series B über 20 Millionen US-Dollar, angeführt vom Münchner Investor Digital+ Partners gemeinsam mit Project A, Senovo, Hansi Hansmann und Push Ventures. Insgesamt kamen so seit der Gründung rund 37 Millionen US-Dollar an Kapital zusammen. CEO Kinigadner begründete die vergleichsweise zurückhaltende Rundengröße damit, dass das Unternehmen bereits eigene Umsätze im Millionenbereich erwirtschaftete und als B2B-Anbieter nicht auf aggressives Marketing angewiesen war.

Zum Zeitpunkt der Series B beschäftigte Anyline rund 100 Mitarbeitende an den Standorten Wien und Boston und zählte mehr als 250 Unternehmen und Organisationen zu seinen Kunden, darunter Discount Tire, PepsiCo, E.ON, Tata, Canon und das World Food Programme. Rund 40 Prozent des Umsatzes kamen bereits damals aus dem US-Markt.

Zwei Einschnitte binnen zwei Jahren

Der weitere Weg verlief nicht geradlinig. Im März 2023 strich Anyline rund 25 Stellen - etwa 20 Prozent der Belegschaft in Vollzeitäquivalenten - und begründete den Schritt mit einem schwierigen Finanzierungsumfeld sowie dem Ziel, innerhalb von zwölf Monaten cashflow-positiv zu werden.

Im Mai 2025 folgte eine zweite, deutlich tiefere Einschnitt: Anyline baute 30 bis 40 Prozent der verbliebenen Belegschaft ab und positionierte sich im Zuge dessen als durchgängig KI-gesteuertes Unternehmen. Kinigadner begründete die Neuausrichtung damit, dass sich die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz seit der Gründung 2013 grundlegend verändert hätten und man Produktentwicklung, Engineering, Marketing und Support konsequent darauf ausrichten wolle. Das Unternehmen konzentriert sich seither auf drei Kernsegmente: Automotive Aftermarket, Energie und Utilities sowie mobile Polizeiarbeit.

Häufige Fragen zu den Anyline-Gründern

Wer hat Anyline gegründet?

Lukas Kinigadner, Daniel Albertini, Jakob Hofer und David Dengg gründeten Anyline 2013 in Wien, während sie gemeinsam bei einer App-Agentur angestellt waren.

Was macht Anyline?

Anyline entwickelt Mobile-OCR-Technologie, mit der sich Texte und Codes wie Zählerstände, Fahrzeug-Identifikationsnummern oder Reifenprofile direkt per Smartphone-Kamera auslesen lassen, ohne Serververbindung.

Wie groß ist Anyline heute?

Nach zwei Stellenabbau-Runden 2023 und 2025 hat sich das Unternehmen strategisch auf die Segmente Automotive Aftermarket, Energie/Utilities und mobile Polizeiarbeit fokussiert und sich als KI-first ausgerichtetes Unternehmen neu aufgestellt.

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