Factoring in Österreich: So sichern Sie sofortige Liquidität für Ihr Unternehmen

  • Factoring wandelt offene Forderungen sofort in liquide Mittel um, meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden.
  • Es bietet nicht nur Finanzierung, sondern auch Schutz vor Zahlungsausfällen (Delkredere) und eine Entlastung der Buchhaltung.
  • Die Kosten setzen sich aus einer Factoringgebühr (für den Service) und einem Zins (für die Vorfinanzierung) zusammen.
  • Besonders geeignet ist Factoring für wachsende kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Österreich mit regelmäßigen Umsätzen und langen Zahlungszielen.
  • Im Gegensatz zum Bankkredit wächst die Finanzierungslinie beim Factoring automatisch mit Ihrem Umsatz und erfordert in der Regel keine zusätzlichen Sicherheiten.

Was ist Factoring und wie funktioniert es in Österreich?

Factoring ist ein etabliertes Finanzierungsinstrument, bei dem ein Unternehmen seine offenen Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an einen spezialisierten Finanzdienstleister, den sogenannten Factor, verkauft. Anstatt wochen- oder monatelang auf die Bezahlung durch den Kunden (Debitor) zu warten, erhält das Unternehmen sein Geld sofort vom Factor. In Österreich hat sich diese Methode besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als wertvolle Alternative zum klassischen Bankkredit erwiesen, um die eigene Liquidität zu sichern und das Wachstum zu finanzieren.

Der Prozess ist im Kern eine Dreiecksbeziehung zwischen Ihrem Unternehmen, Ihrem Kunden und dem Factoring-Anbieter. Der Ablauf ist einfach und transparent:

  1. Leistungserbringung und Rechnungsstellung: Sie erbringen wie gewohnt Ihre Leistung für Ihren Kunden und stellen eine Rechnung aus.
  2. Verkauf der Forderung: Anstatt die Rechnung in Ihre Buchhaltung zu legen und auf den Zahlungseingang zu warten, reichen Sie eine Kopie der Rechnung beim Factor ein.
  3. Sofortige Auszahlung: Der Factor prüft die Rechnung und überweist Ihnen umgehend einen Großteil der Rechnungssumme, üblicherweise 80 % bis 90 %, oft schon innerhalb von 24 Stunden.
  4. Debitorenmanagement: Der Factor übernimmt nun das gesamte Forderungsmanagement. Das inkludiert die Überwachung der Zahlungseingänge und, falls nötig, das professionelle Mahnwesen.
  5. Restauszahlung: Sobald Ihr Kunde die Rechnung vollständig an den Factor bezahlt hat, erhalten Sie den restlichen Betrag (die restlichen 10 % bis 20 %) abzüglich der vereinbarten Factoringgebühren.

Durch diesen Mechanismus wird aus einer unsicheren, zukünftigen Forderung sofort verfügbares Kapital, das Sie direkt für Investitionen, den Wareneinkauf oder zur Begleichung eigener Verbindlichkeiten nutzen können.

Die verschiedenen Arten des Factorings: Welche passt zu Ihrem Unternehmen?

Factoring ist kein starres Produkt, sondern eine flexible Dienstleistung, die sich an die Bedürfnisse Ihres Unternehmens anpassen lässt. Die Wahl der richtigen Factoring-Art ist entscheidend für den Erfolg. In Österreich sind vor allem drei Unterscheidungen von zentraler Bedeutung, die oft miteinander kombiniert werden.

Echtes vs. Unechtes Factoring

Dies ist die wichtigste Unterscheidung mit direkten Auswirkungen auf Ihr unternehmerisches Risiko. Beim Echten Factoring (auch non-recourse Factoring genannt) übernimmt der Factor das volle Ausfallrisiko. Sollte Ihr Kunde zahlungsunfähig werden und die Rechnung nicht begleichen können, ist das das Problem des Factors. Sie müssen den vorfinanzierten Betrag nicht zurückzahlen. Diese Variante bietet Ihnen somit eine hundertprozentige Absicherung gegen Forderungsausfälle und ist die in Österreich am weitesten verbreitete Form.

Beim Unechten Factoring (recourse Factoring) verbleibt das Delkredererisiko, also das Risiko des Zahlungsausfalls, bei Ihrem Unternehmen. Der Factor erbringt hier primär die Finanzierungs- und Dienstleistungsfunktion. Fällt der Debitor aus, müssen Sie die bereits erhaltene Vorauszahlung an den Factor zurückerstatten. Diese Variante ist oft etwas günstiger, bietet aber keinen Schutz vor uneinbringlichen Forderungen.

Offenes vs. Stilles Factoring

Hier geht es um die Kommunikation mit Ihren Kunden. Beim Offenen Factoring wird Ihr Kunde (der Debitor) darüber informiert, dass die Forderung an einen Factoring-Anbieter abgetreten wurde. Auf der Rechnung findet sich ein entsprechender Vermerk (Zession), und der Kunde wird gebeten, direkt auf das Konto des Factors zu überweisen. Dieses Vorgehen ist transparent und hat sich in der Geschäftswelt etabliert. Ein professioneller Factor tritt dabei stets serviceorientiert auf und wahrt Ihre gute Kundenbeziehung.

Beim Stillen Factoring erfährt Ihr Kunde nichts vom Forderungsverkauf. Sie bleiben der alleinige Ansprechpartner, und die Zahlung erfolgt weiterhin auf Ihr Geschäftskonto, das Sie treuhänderisch für den Factor führen. Diese Variante wird oft gewählt, wenn Unternehmen Bedenken haben, wie ihre Kunden auf die Einschaltung eines Dritten reagieren könnten. Sie ist jedoch an strengere Bonitätsanforderungen für Ihr eigenes Unternehmen geknüpft und in der Regel teurer als das offene Verfahren.

Full-Service-Factoring

Der Begriff Full-Service-Factoring beschreibt das gängigste Modell. Es kombiniert die drei Kernfunktionen des Factorings zu einem umfassenden Paket: die Finanzierungsfunktion (sofortige Liquidität), die Delkrederefunktion (Risikoabsicherung) und die Dienstleistungsfunktion (Übernahme des Debitorenmanagements, Mahnwesens und Inkassos). Für die meisten österreichischen KMU ist dies die sinnvollste Lösung, da sie nicht nur den Cashflow verbessert, sondern auch administrative Ressourcen im eigenen Haus freisetzt.

Die entscheidenden Vorteile: Mehr als nur sofortige Liquidität

Der offensichtlichste Vorteil von Factoring ist die unmittelbare Umwandlung von Forderungen in Geld. Doch die wahren Stärken dieses Instruments gehen weit darüber hinaus und können die finanzielle Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens nachhaltig verbessern.

Sofortige Liquidität und exakte Planungssicherheit

Lange Zahlungsziele von 30, 60 oder gar 90 Tagen belasten die Liquidität und machen die Finanzplanung zu einem Vabanquespiel. Mit Factoring erhalten Sie Ihr Geld innerhalb von 1-2 Werktagen. Dieser stetige und planbare Geldfluss ermöglicht es Ihnen, Skonti bei Lieferanten voll auszunutzen, Löhne und Gehälter pünktlich zu zahlen und unerwartete Ausgaben souverän zu meistern. Sie sind nicht länger von der Zahlungsmoral Ihrer Kunden abhängig und gewinnen ein hohes Maß an finanzieller Unabhängigkeit.

Schutz vor Forderungsausfall (Delkredere)

Beim Echten Factoring ist eine eingebaute Kreditausfallversicherung inkludiert. Die Insolvenz eines großen Kunden kann für viele KMU existenzbedrohend sein. Durch den Verkauf der Forderung an den Factor übertragen Sie dieses Risiko vollständig. Sie erhalten Ihr Geld und können beruhigt schlafen, selbst wenn Ihr Kunde später in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Dieser Schutz ist ein unschätzbarer Vorteil, der die Resilienz Ihres Unternehmens deutlich erhöht.

Entlastung der Buchhaltung und Professionalisierung

Das Debitorenmanagement ist zeit- und personalintensiv. Die Überwachung von Zahlungseingängen, das Versenden von Mahnungen und im schlimmsten Fall die Einleitung eines Inkassoverfahrens binden wertvolle Ressourcen, die an anderer Stelle im Unternehmen fehlen. Durch Full-Service-Factoring lagern Sie diesen kompletten Prozess an Spezialisten aus. Dies entlastet nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern sorgt auch für ein professionelles und konsequentes Vorgehen, was oft die Zahlungsmoral der Kunden verbessert.

Bilanzoptimierung und besseres Bankenrating

Ein oft unterschätzter, aber strategisch wichtiger Vorteil ist die positive Auswirkung auf Ihre Bilanz. Da Sie Ihre Forderungen verkaufen, werden diese aus Ihrer Bilanz entfernt. Gleichzeitig erhöht sich Ihr Kassenbestand. Dieser Tausch von Aktiva führt zu einer Bilanzverkürzung. Das Resultat ist eine höhere Eigenkapitalquote, eine der wichtigsten Kennzahlen für die Bonitätsbewertung durch Banken (Stichwort: Basel III) und Auskunfteien wie dem KSV1870. Ein besseres Rating erleichtert den Zugang zu weiteren Finanzierungen und verbessert Ihre Verhandlungsposition.

Kosten und Gebühren: Womit müssen Sie beim Factoring rechnen?

Transparenz bei den Kosten ist entscheidend für eine fundierte unternehmerische Entscheidung. Die Kosten für Factoring sind fair und nachvollziehbar, da sie direkt an die in Anspruch genommene Leistung gekoppelt sind. Sie setzen sich in der Regel aus zwei Hauptkomponenten zusammen, die klar voneinander getrennt sind.

Die Factoringgebühr

Die Factoringgebühr ist die Vergütung für die Dienstleistung des Factors. Sie deckt die Kosten für die Bonitätsprüfung Ihrer Debitoren, die Übernahme des Ausfallrisikos (beim Echten Factoring) sowie den administrativen Aufwand für die Buchhaltung und das Mahnwesen. Die Gebühr wird als prozentualer Anteil vom Bruttoumsatz der eingereichten Rechnungen berechnet. Die Höhe variiert je nach Branche, Bonität Ihrer Kunden, Rechnungsanzahl und Rechnungsbeträgen. In Österreich liegt die Factoringgebühr üblicherweise zwischen 0,5 % und 2,5 % des Forderungswertes. Für ein Unternehmen mit stabilen, bonitätsstarken Kunden ist die Gebühr naturgemäß niedriger als für ein Unternehmen mit vielen kleinen Forderungen an eine breite Kundenbasis.

Der Factoringzins

Der Factoringzins ist vergleichbar mit dem Zins für einen Kontokorrentkredit bei einer Bank. Er wird auf den Betrag berechnet, den der Factor Ihnen vorfinanziert (also die 80-90 % der Rechnungssumme), und zwar für den Zeitraum von der Auszahlung an Sie bis zum Zahlungseingang durch Ihren Kunden. Die Berechnungsgrundlage ist oft der 3-Monats-EURIBOR zuzüglich einer Marge, die von Ihrer eigenen Bonität und der allgemeinen Marktlage abhängt. Da die Zinsbelastung nur für die tatsächliche Dauer der Vorfinanzierung anfällt, sind die Kosten hier sehr variabel und transparent. Zahlt ein Kunde früher, zahlen Sie auch weniger Zinsen.

Beispielrechnung: Sie verkaufen eine Rechnung über 10.000 € (brutto) mit einem Zahlungsziel von 60 Tagen. Der Factor zahlt 90 % (9.000 €) sofort aus. Die Factoringgebühr beträgt 1,0 % (100 €) und der jährliche Zinssatz 5,0 %. Der Zins für 60 Tage auf 9.000 € beläuft sich auf ca. 75 €. Ihre Gesamtkosten für diese Transaktion wären also 175 €. Dafür erhalten Sie sofort 9.000 € und sind gegen einen Zahlungsausfall abgesichert.

Für welche Unternehmen in Österreich ist Factoring besonders geeignet?

Factoring ist kein Nischenprodukt, sondern eine flexible Finanzierungslösung für eine breite Palette von Unternehmen. Es ist jedoch besonders wirksam für Betriebe, die bestimmte Merkmale aufweisen oder sich in spezifischen Wachstumsphasen befinden. Grundsätzlich gilt: Jedes Unternehmen, das Rechnungen an andere Unternehmen (B2B) stellt, kann potenziell von Factoring profitieren.

Branchen und Unternehmensgröße

In Österreich nutzen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Factoring, da sie oft am stärksten von langen Zahlungszielen und Liquiditätsengpässen betroffen sind. Typische Branchen, in denen Factoring weit verbreitet ist, sind:

  • Produktionsbetriebe und Maschinenbau: Hier sind hohe Materialkosten vorzufinanzieren, während die Kunden oft erst nach Lieferung und Inbetriebnahme zahlen.
  • Groß- und Einzelhandel: Schneller Warenumschlag erfordert ständige Liquidität für den Einkauf.
  • Dienstleistungssektor: Besonders Personalvermittler, Zeitarbeitsfirmen oder Beratungsunternehmen haben hohe laufende Kosten (Löhne), die sie decken müssen, bevor ihre Kunden zahlen.
  • Transport und Logistik: Treibstoff- und Personalkosten fallen sofort an, während Frachtrechnungen oft erst nach Wochen beglichen werden.

Eine wichtige Voraussetzung ist ein gewisser Mindestumsatz. Die meisten österreichischen Factoring-Anbieter setzen einen Jahresumsatz von etwa 100.000 € bis 250.000 € voraus, es gibt aber auch spezialisierte Anbieter für Start-ups und kleinere Betriebe.

Typische Unternehmenssituationen

Unabhängig von der Branche ist Factoring in bestimmten Situationen besonders vorteilhaft:

  • Starkes Wachstum: Wenn Ihr Umsatz schnell wächst, wachsen Ihre Ausgaben für Material und Personal oft noch schneller. Factoring ist eine Finanzierung, die automatisch mit Ihrem Umsatz mitwächst. Mehr Rechnungen bedeuten mehr verfügbare Liquidität, ohne dass Sie ständig neue Kreditverhandlungen führen müssen.
  • Lange Zahlungsziele: Wenn Sie mit Großkunden oder öffentlichen Auftraggebern arbeiten, sind Zahlungsziele von 60 Tagen oder mehr keine Seltenheit. Factoring überbrückt diese Lücke und schützt Sie vor den negativen Folgen.
  • Saisonale Schwankungen: Unternehmen mit stark saisonalem Geschäft können mit Factoring Spitzenzeiten finanzieren und ihre Liquidität in umsatzschwächeren Phasen stabilisieren.
  • Mangel an Banksicherheiten: Gerade für junge Unternehmen oder Dienstleister ohne große Sachwerte ist es oft schwierig, klassische Bankkredite zu erhalten. Beim Factoring dient die Forderung selbst als primäre Sicherheit.

Der Factoring-Prozess in der Praxis: Ein Schritt-für-Schritt-Leitfaden

Die Implementierung von Factoring in Ihr Unternehmen ist ein strukturierter Prozess. Von der ersten Anfrage bis zur laufenden Zusammenarbeit sind die Schritte klar definiert und auf Effizienz ausgelegt. Ein guter Factoring-Partner wird Sie dabei eng begleiten.

Schritt 1: Anfrage und Angebotsphase

Alles beginnt mit Ihrer Kontaktaufnahme zu einem oder mehreren Factoring-Anbietern. Sie schildern Ihre Situation, Ihren Umsatz, Ihre Branche und Ihre Kundenstruktur. Daraufhin erhalten Sie ein erstes unverbindliches Angebot. Dieses sollte die wichtigsten Konditionen enthalten: die Höhe der Bevorschussung (z.B. 90 %), die Spanne der Factoringgebühr und den Berechnungsmodus für den Zins. Nehmen Sie sich Zeit, die Angebote zu vergleichen.

Schritt 2: Bonitätsprüfung und Vertragsabschluss

Wenn Sie sich für ein Angebot entschieden haben, beginnt die detaillierte Prüfung (Due Diligence). Interessanterweise liegt der Fokus des Factors weniger auf der Bonität Ihres eigenen Unternehmens, sondern vielmehr auf der Bonität Ihrer Hauptkunden (Debitoren). Der Factor analysiert die Struktur Ihrer Abnehmer und deren Zahlungsmoral, oft unter Zuhilfenahme von Auskunfteien wie dem KSV1870. Parallel dazu wird Ihr Unternehmen geprüft. Verlaufen diese Prüfungen positiv, erhalten Sie den Factoring-Vertrag zur Unterzeichnung. Lesen Sie diesen sorgfältig, insbesondere Klauseln zu Laufzeit, Kündigungsfristen und eventuellen Mindestumsätzen.

Schritt 3: Der Start der Zusammenarbeit

Nach Vertragsunterzeichnung wird die Zusammenarbeit aufgesetzt. Sie erhalten Zugang zu einem Online-Portal des Factors, über das Sie zukünftig Ihre Rechnungen einreichen. Ihre Debitoren werden (beim offenen Factoring) über den Beginn der Zusammenarbeit informiert. Dieser Schritt wird vom Factor professionell und in Absprache mit Ihnen durchgeführt, um die Kundenbeziehung zu wahren.

Schritt 4: Laufender Betrieb – Rechnungseinreichung und Auszahlung

Ab jetzt ist der Prozess Routine: Sobald Sie eine Rechnung an einen Kunden stellen, laden Sie eine Kopie im Factoring-Portal hoch. Der Factor prüft die Rechnung und überweist Ihnen den vereinbarten Vorschuss, meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Sie haben sofortige Liquidität.

Schritt 5: Debitorenmanagement und Restauszahlung

Der Factor überwacht den Zahlungseingang. Zahlt Ihr Kunde pünktlich, passiert weiter nichts. Bei Zahlungsverzug startet der Factor einen vordefinierten, professionellen Mahnprozess. Sobald die vollständige Rechnungssumme beim Factor eingegangen ist, überweist dieser Ihnen den verbleibenden Restbetrag (Sperrbetrag) abzüglich der vereinbarten Gebühren und Zinsen auf Ihr Konto.

Risiken und Nachteile: Was Sie vor dem Abschluss beachten sollten

Obwohl Factoring zahlreiche Vorteile bietet, ist es wichtig, auch die potenziellen Nachteile und Risiken zu kennen, um eine ausgewogene Entscheidung treffen zu können. Eine offene Auseinandersetzung mit diesen Punkten ist ein Zeichen für eine seriöse und partnerschaftliche Geschäftsbeziehung.

Die Kosten im Vergleich

Factoring kann, rein auf den Zinssatz bezogen, teurer sein als ein traditioneller Bankkredit. Dies ist ein häufiger Kritikpunkt. Es ist jedoch wichtig, Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen. In der Factoringgebühr sind umfangreiche Dienstleistungen wie das Debitorenmanagement, das Mahnwesen und vor allem die Versicherung gegen Forderungsausfall (beim Echten Factoring) enthalten. Wenn man die Kosten für diese Leistungen sowie die eingesparten Personalkosten und die vermiedenen Verluste durch Zahlungsausfälle gegenrechnet, relativieren sich die höheren Kosten oft schnell. Dennoch sollten Sie eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse für Ihr spezifisches Unternehmen durchführen.

Einfluss auf die Kundenbeziehung

Besonders beim offenen Factoring haben manche Unternehmer die Sorge, dass ihre Kunden die Einschaltung eines Finanzdienstleisters negativ auffassen könnten – als Zeichen eigener finanzieller Schwäche. Diese Sorge ist heute größtenteils unbegründet. Factoring ist ein etabliertes und anerkanntes Finanzierungsinstrument. Eine proaktive und transparente Kommunikation kann Bedenken von vornherein ausräumen. Erklären Sie Ihren Kunden die Umstellung als einen Schritt zur Professionalisierung und zur Sicherung des gemeinsamen Wachstums. Ein seriöser Factor wird zudem immer sensibel und serviceorientiert im Umgang mit Ihren Kunden agieren.

Vertragliche Bindung und Flexibilität

Factoring-Verträge haben in der Regel Mindestlaufzeiten, oft ein bis zwei Jahre, mit automatischen Verlängerungen, wenn nicht fristgerecht gekündigt wird. Zudem können Mindestumsätze oder Andienungspflichten (die Pflicht, alle oder bestimmte Forderungen an den Factor zu verkaufen) vereinbart werden. Dies kann Ihre unternehmerische Flexibilität einschränken. Prüfen Sie daher die Vertragsbedingungen genau. Achten Sie auf faire Kündigungsfristen und realistische Umsatzvorgaben. Ein guter Partner wird versuchen, eine Lösung zu finden, die zu Ihrer Geschäftsplanung passt.

Factoring vs. Bankkredit: Ein direkter Vergleich

Factoring und der klassische Betriebsmittelkredit einer Bank dienen beide der Unternehmensfinanzierung, basieren aber auf fundamental unterschiedlichen Ansätzen. Die Entscheidung für das eine oder andere Instrument hängt stark von der individuellen Situation und den Zielen Ihres Unternehmens ab. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Unterschiede gegenüber.

Merkmal Factoring Bankkredit
Finanzierungsrahmen Flexibel und wachstumsorientiert. Die Kreditlinie steigt automatisch mit dem Umsatz, da mehr Forderungen verkauft werden können. Starr und fix. Eine Erhöhung des Kreditrahmens erfordert neue Verhandlungen, Bonitätsprüfungen und oft zusätzliche Sicherheiten.
Sicherheiten Die verkauften Forderungen dienen als primäre Sicherheit. Oft sind keine weiteren Sachsicherheiten (z.B. Immobilien) erforderlich. Erfordert in der Regel umfangreiche Sicherheiten, wie z.B. Bürgschaften, Grundschulden, Maschinen oder die Abtretung von Forderungen.
Auswirkung auf Bilanz Positiv. Der Verkauf von Forderungen führt zu einer Bilanzverkürzung und verbessert die Eigenkapitalquote, was das Bankenrating stärkt. Neutral bis negativ. Ein Kredit erhöht die Bilanzsumme und die Verbindlichkeiten, was die Eigenkapitalquote verschlechtert.
Zusätzliche Dienstleistungen Inklusive. Übernahme des Debitorenmanagements, Mahnwesens und (beim Echten Factoring) 100%iger Schutz vor Forderungsausfall. Keine. Es handelt sich um eine reine Finanzierungsleistung. Das Debitorenmanagement und das Ausfallrisiko verbleiben beim Unternehmen.
Flexibilität bei der Nutzung Sehr hoch. Die Liquidität aus dem Forderungsverkauf steht zur freien unternehmerischen Verfügung. Oft an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden (z.B. Investitionskredit) und weniger flexibel einsetzbar.
Prüfungsfokus Die Bonität der Kunden (Debitoren) steht im Vordergrund. Die Bonität und die Sicherheiten des kreditnehmenden Unternehmens stehen im Vordergrund.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Während der Bankkredit eine statische Finanzierung für geplante Investitionen oder zur Überbrückung bekannter Engpässe ist, stellt Factoring eine dynamische, umsatzkongruente Finanzierungslösung dar, die neben der Liquidität auch wertvolle Service- und Schutzfunktionen bietet. Für viele österreichische KMU im Wachstum ist es daher nicht eine Frage von „entweder/oder“, sondern oft eine sinnvolle Ergänzung oder sogar die überlegene Alternative zur klassischen Bankenlinie.

Frequently Asked Questions

Ab welchem Jahresumsatz ist Factoring in Österreich sinnvoll?

Die meisten Factoring-Anbieter in Österreich setzen einen jährlichen Mindestumsatz im B2B-Bereich von etwa 100.000 € bis 250.000 € voraus. Es gibt jedoch auch spezialisierte Anbieter, die Lösungen für Start-ups oder Unternehmen mit geringeren Umsätzen anbieten. Entscheidender als der reine Umsatz ist oft eine stabile und bonitätsstarke Kundenstruktur.

Was ist der Unterschied zwischen Echtem und Unechtem Factoring?

Der Kernunterschied liegt in der Übernahme des Ausfallrisikos. Beim Echten Factoring kauft der Factor die Forderung inklusive des Risikos, dass der Kunde nicht zahlt (Delkredererisiko). Sie sind zu 100 % abgesichert. Beim Unechten Factoring verbleibt dieses Risiko bei Ihnen. Fällt Ihr Kunde aus, müssen Sie den Vorschuss an den Factor zurückzahlen.

Erfahren meine Kunden vom Factoring?

Das hängt von der gewählten Variante ab. Beim gängigen Offenen Factoring ja, Ihr Kunde wird über den Forderungsverkauf informiert und zahlt direkt an den Factor. Beim Stillen Factoring erfährt Ihr Kunde nichts davon. Diese diskrete Variante ist jedoch an strengere Voraussetzungen geknüpft und meist teurer.

Verbessert Factoring mein Bankenrating?

Ja, in der Regel schon. Durch den Verkauf Ihrer Forderungen verkürzt sich Ihre Bilanz, da Forderungen gegen Liquidität getauscht werden. Dies führt zu einer höheren Eigenkapitalquote, einer zentralen Kennzahl für die Bonitätsbewertung durch Banken und Auskunfteien. Ein besseres Rating kann zukünftige Finanzierungen erleichtern.

Wie schnell erhalte ich mein Geld vom Factor?

Dies ist einer der größten Vorteile. Nach Einreichung und Prüfung Ihrer Rechnung erfolgt die Auszahlung des Vorschusses (meist 80-90 % der Rechnungssumme) in der Regel sehr schnell, üblicherweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf Ihr Geschäftskonto.

Image by: Adriana Beckova
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